Forget Fear / Filtered by Eisenhüttenstadt

Weblog zu den Aktivitäten der 7. Berlin Biennale 2012 in Eisenhüttenstadt

Category: 7. Berlin Biennale allgemein

Ein Tag in Berlin. Die Abschlussbegegnung im Sichtwechsel-Projekt.

by Ben

Die 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst ist zwar formell vorüber und wurde zudem im Presseecho weitgehend versenkt. Aber wie es sich für eine derartige Veranstaltung gehört, hört man an der einen oder anderen Stelle nach wie vor wohlklingende Echos und erstaunlicherweise meist dort, wo das Feuilleton kaum einen Blick hinwarf. (Ein jüngerer Artikel auf ZEIT online kompensiert das ein bisschen, jedoch außerhalb des Biennale-Kontextes.)

Ein Beispiel für einen konstruktiven Nachhall ist die Fortsetzung des Draftsmen’s Congress / Kongress der Zeichner in Eisenhüttenstadt, der nun auch noch mindestens den Oktober über das Konzept des Sozialen Zeichnens durchprobiert, das Paweł Althamer von Berlin nach dem berühmten Zwischenfall mit den Pixadores (mehr dazu auch auf taz.de) nach Eisenhüttenstadt transportierte und das nun dort sogar in seiner (ersten) Fortsetzungsrunde stattfindet. Am Freitag den 28.09. wird es zu einem größeren Workshop unter Beteiligung der Initiative USArtBerlin kommen.

Außerdem fand gestern (Dienstag, 25.September 2012) das Sichtwechsel-Projekt zu einer eigenen Form von Abschlusskonferenz. Zu dieser reisten die Schüler der Schönfließer Grundschule von Eisenhüttenstadt nach Berlin, besuchten dort ihre Projektpartner von der Gustav-Falke-Schule und mit diesen den me Collectors Room sowie die Wunderkammer der Stiftung Olbricht, die nicht nur (gemeinsam mit dem Städtischen Museum in Eisenhüttenstadt) als institutioneller Angelpunkt und Leihgeber für das Projekt auftrat, sondern den schätzungsweise 50 Kindern, die fast als eine Art Sichtwechsel-Demonstrationszug durch Acker- und Auguststraße zogen, zusätzlich Selim Varols Universum der Street Art und Toy-Kultur sowie die Wunderkammer der Stiftung nahe brachte. Als Dokumentation des Tages gibt es nachfolgend und zugleich abschließend einige Aufnahmen vom letzten Tag des Sichtwechsel-Projektes, der noch einmal zeigte, wie zeitlos das Motto der Biennale – Forget Fear, überwinde die Furcht – ist, wenn es darum geht, sich offen und auf wechselseitiges Verständnis zielend zu begegnen.

Sichtwechsel / me Collectors Room

Projekt Sichtwechsel / me Collectors Room

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Bildnern und Zeichnen. Paweł Althamer lädt zur Illustration Eisenhüttenstädter Lebenswelten.

by Ben

Es gibt schon wundersame Wendungen und wer glaubte, mit der Präsentation am 15.Juni seien hinsichtlich der Berlin Biennale in Eisenhüttenstadt schon alle Fotos geschossen, alle Poster gehängt (und abgenommen) und alle Linien gezeichnet, der findet seine Annahmen im Biennale-Lokal in der Straße der Republik pünktlich zum Beginn der brandenburgischen Sommerferien 2012 gründlich widerlegt.

So geballt schlug das Kunstschaffen hier noch nicht in so kurzer Frist ein und auch wenn die Einheimischen fast reflexartig erst auf Abwehr und dann im Gespräch in den Erklärmodus “So etwas interessiert hier doch keinen. Da werden Sie mit ihrer schönen Aktion kein Glück haben.” schalten, um kurz darauf zum Kohlestift zu greifen und ihr Scherflein Zeichenkultur in den Raum stellen, so gibt es nirgends einen Anlass für Bangigkeit. Die Eisenhüttenstädter sind schüchtern, aber in Behandlung. Und zwar in der des Draftsmen’s Congress von Paweł Althamer und seinem Team. Statt Forget Fear muss das Motto eher Forget Shyness sein. Und ist der Schatten einmal übersprungen/so ist auch gleich ein Bild gelungen.

So könnte man mit sich im Reimen sein. Allein an ausuferndem Zuspruch fehlt es noch ein wenig, was jedoch auch daran liegt, dass noch niemand in Eisenhüttenstadt so recht davon weiß, dass und wie und warum ihn Pinsel, Farbe, Buntstift erwarten und dass es sich bei dem faszinierenden Grüppchen im Zeichenraum am Lunik eben nicht um eine geschlossene Gesellschaft sondern um denkbar offenherzige Künstler und mehr noch Kunstvermittler handelt.

Die nutzten auch gleich zwei nieselige Nachmittagsstunden im  Brunnenring zu der ungezwungenen Demonstration, dass die Venus von Urbino nicht auf den Sperrmüll gehört (natürlich nicht), aber ein beliebiger Spermüllhaufen sich problemlos in eine Venus (von Eisenhüttenstadt) verwandeln lässt.

Wenn polnisch sprechende Menschen in weißen Kitteln in Ostbrandenburg Stücke aus dem Dielenmöbelprogramm Modell Eberswalde Typ 2 A umarrangieren, sind ihnen auf jeden Fall die Zuwendung der Neugier und manchmal auch einiger nachfragend gemeinter Worte gewiss. Womit schon einiges erreicht ist und einige erreicht sind.

Komm Zeichnen

Die Liebe im Zeichen der Zeichenkunst. Wer so herzlich einlädt, gehört reichlich besucht. Und wer die Dispatcher-Kultur im stahlharten Metallurgenärmel derart sympathisch zu paradiesischen Umständen umschüttelt, der kam ganz sicher zeichnen, um der Stadt eines dieser Zeichen zu geben, die man dringend braucht, um nicht irgendwann trotz aller Mühe mit gebrochenen Erzen dahin zu siechen.

Die Erkenntnis des Tages lautet zudem, dass es in der Eisenhüttenstadt des Jahres 2012 zwar mit dem Englischen kaum ein Blumentopf (flowerpot) zu bekommen ist, bestimmte Generationen aber tatsächlich mühelos in geschmeidiges Russisch (цветочный горшок) überwechseln können. Internationale Künstleraustausch- bzw. -kooperationsprogramme in Eisenhüttenstadt konzentrieren sich also möglicherweise angesichts der hier noch gepflegten Lingua Franca am besten direkt nach Osteuropa. Derzeit muss man aber gar nicht soviel in die Zukunft planen, denn die Gegenwart ist ein praller Beutel Farbe und Ideen, der, auf die Sand- und Kiefernbank der stillen Eisenhüttenstadt aufgelaufen, nun langsam Einiges in diese hineintropfen lässt. Allein bereits der eigens zur Veranstaltung vom ikonographisch das stadtgeschichtliche Selbstverständnis prägenden Womacka-Mosaik inspirierte Handzettel verspricht fruchtbare Tage und die Mehr-als-Ferienspiele in der Straße der Republik stehen jedem, der mag, von ca. 12 bis 17 Uhr offen. Weitere freundlich intervenierende Expansionen in den Stadtraum sind nicht auszuschließen.

Making of Venus von Eisenhüttenstadt

Es mag ja ZeitgenossInnen geben, die hinter einer bestimmten Neigung, nämlich der, in jedem Sperrmüllberg der Stadt einen potentiellen Venushügel zu sehen, etwas Bedenkliches vermuten. Wer aber der Formgebungsbrigade um Paweł Althamer dabei zusieht, wie sie aus einem geordneten Stapel Furnier und Teppich ein gefallenes Mädchen entstehen lässt, der lernt auf einmal derartige Fantasien hoch zu schätzen. Und erkennt, dass man gar nicht so sehr raffinierte Technik, ein gut situiertes Umfeld oder ein Hundertschaft Intellektueller benötigt, um etwas Einzigartiges und einzigartig Schönes zu schaffen. Sondern hauptsächlich Mut zur Kombinatorik im Vorhandenen. Insofern ist die kleine Nachmittagsschau auch ein Vorführung, wie man vermeintlich verkrampfte Städte à la Eisenhüttenstadt über leichte Interventionen aufzulockern vermag: Mit (de-)(re-)konstruktiver Unbefangenheit. Der Draftsmen’s Congress bzw. Kongress der Zeichner ermöglicht den Einwohnern der Stadt (und ihren Besuchern) nun einige Tage die Erprobung solch unverkrampften Schöpfens. Was daraus entsteht, weiß noch niemand. Aber es könnte durchaus auch gestandenen Männern gefallen. Und allen anderen sowieso.

(Text/Bilder: bk, 20.06.2012)

Der kreidebunte Freitag. Eine kurze Nachschrift zur Berlin Biennale in Eisenhüttenstadt.

by Ben

Forget Fear Eisenhüttenstadt

Forget Fear Eisenhüttenstadt / Plakat zum Ereignis in der Straße der Republik

Einen Tag nach dem Besuchstag der Berlin Biennale in Eisenhüttenstadt wird man –  sofern man als irgendwie Mitwirkender bekannt ist und auf der Straße erkannt wird – zwangsläufig angesprochen, wie man die Veranstaltung bewertet, nun da alles vorbei ist und bis auf wilde Kreidespuren auf dem Trottoir, ein paar Poster und zwei derangierte Pflanzen eines Nebenprojektes die Räumlichkeit in der Straße der Republik wieder so still liegt, wie man sie kennt.

Dann steht man als plötzliche lokale Halb-Celebrity (so etwas geschieht viel zu schnell in einer Stadt wie dieser) mit jemand Fremdem an der Ecke und überlegt und fischt nach einer eindeutigen Antwort. Aber so richtig findet sich kein Haken und folglich auch keine Einschätzung in zwei Sätzen, die griffig genug wäre, um zu überzeugen.

Möglicherweise erweist sich genau dies als – durchaus auch produktiv zu verstehender – Kern des Filterprojektes: Berlin Biennale und Planstadt über den eingeschlagenen Weg auf einen Begriff zu bringen, begreifbar und sogar nur angreifbar zu machen, ist fast unmöglich.  Die Straßenkreide in den Händen der Berliner und Eisenhüttenstädter Kinder zieht sich als metaphorische Outline um das Dahinschraffierte aus Idee und Umsetzung.

„[..] Die Idee ist, aktiv zu handeln und zu versuchen, die Bürger zu verstehen, ihre jeweiligen Bedürfnisse und die Situation in der Stadt. Was könnte das den Bürgern bringen – falls es überhaupt etwas bringt? Und inwiefern werden die Berliner Akteure gezwungen sein, ihre eigene Rolle als Institutionen zu überdenken?”

Bedauerlicherweise muss sich vor allem die Biennale als Institution selbst an dieser Stelle in ihrem Rollenverständnis überdenken. Denn offensichtlich ist es schon mühsam genug, überhaupt Berliner Kunstinstitutionen dazu zu bewegen, sich auf Eisenhüttenstadt als Filterort einzulassen.

Am Ende blieben zwei – das Berliner Künstlerprogramm des DAAD und me Collectors Room / Stiftung Olbricht – die sich, forget fear, auf diesen Versuch einließen. Die Arbeiten und Aktivitäten allgemein zu beurteilen steht mir an dieser Stelle nicht zu, war ich doch selbst Teil dieses Institutionen-Rollen-Spiels und zwar als Fotograf im Sichtwechsel-Projekt.

Aus einer persönlichen Perspektive kann ich jedoch notieren, dass in vielerlei Hinsicht eine Perspektivenverschiebung und eine Erweiterung des Blickfelds mit diesem Projekt einhergingen. Und auch das: Sowohl die Eisenhüttenstädter wie auch die Berliner Kooperationspartner ermöglichten es im Verbund mit der – möglicherweise dann doch natürlichen und normalen – Freude und Neugier der Kinder, dass die Kunstobjekte und ihre stadträumliche Inszenierung auf ihre Weise den Dialog anregten, den man sich als Veranstalter nur wünschen konnte. Obendrein deutete das Projekt an, was alles möglich ist.

Genau darin liegt denn auch die Herausforderung einer Einschätzung im Straßengespräch: Man sieht, was möglich ist, man weiß, was man sich generell erhoffte und man hat das Resultat vorliegen und muss diese drei Ebenen aufeinander abstimmen.

Aus meiner befangenen Sicht auf das Ganze bleibt mir die so diplomatisch anmutende wie ehrliche Zusammenfassung, dass es fantastisch ist, dass es passierte und dass ich mir zugleich wünschte, dass mehr passiert wäre. Nämlich, dass man vor allem die Stadt als Raum und als soziales Konstrukt stärker in Bezug genommen hätte und dass die Menschen in dieser Stadt aktiver in die filternde Konfrontation mit dem Ansatz getreten wären.

Mir ist aber bewusst, dass mein Wünschen nur einen kleinen, ein wenig wortreichen Satz in einer hochkomplexen Gemengelage von Erwartungen und Bereitschaften und daher nur einen Nebenaspekt im Gefüge der Berlin Biennale in Eisenhüttenstadt darstellen kann. Ich gehe dennoch mit sehr veränderten Bildern, unbedingt bewahrenswerten Eindrücken und zauberhaften Erinnerungen (und Kontakten) aus diesen Wochen. Und ich wünsche trotzdem weiter.

Und zwar, dass man es wieder versucht und wieder versucht und wieder versucht, damit eines sommerlichen Freitages (oder auch zu einem anderen Termin) entgegen aller Skepsis eventuell doch gelingt, was mir Artur Zmijewski im Gespräch vor dem bröckelnden Lunik als seine Motivation hinter dem Schritt nach Eisenhüttenstadt offenbarte: Dass Impulse gesetzt werden, die positiv-konstruktive Nachwirkungen haben und vielleicht auf lange Sicht als Attraktionsmomente für eine Stadt wie diese wirken können.

Ein bisschen Leben umflorte in jedem Fall die sonst weitgehend vergessene Ecke zwischen der Leere des Zentralen Platz, der Hauptstraße, dem zerfledderten Hotel und dem leerstehenden Gewerberaum. Zugleich wurde Eisenhüttenstadt an diesem Freitag unwiderruflich Schauplatz und Begegnungsort eines Teils der internationalen zeitgenössischen Kunst. Das gab es so seit dem Kongress der Futurologen nicht mehr. Ob es sich dabei um eine Wiederholung des oder um einen Kontrapunkt zum Tom-Hanks-Effekt handelt, ist nicht so leicht zu beantworten. Lieber wäre mir allerdings, dass es Ausgangspunkt einer künstlerisch-kulturellen Traditionslinie in der künftigen Stadtgeschichte Eisenhüttenstadts sein könnte.

Gefiltert durch Eisenhüttenstadt

Kunstfilter der Welt – kommt in diese Stadt! Ein Nebeneffekt der Begegnung zwischen den Berliner und den Eisenhüttenstädter Kindern war, dass die hiesigen lernten, wofür 65 hinter dem Namen der dortigen steht, wenn er unter die Auslage getaggt wird.  Das lokale Äquivalent wäre übrigens 1220. Auch in anderer Form schlug der Nachmittag einige Funken metropolitane Weltläufigkeit in die ansonsten etwas verschlafene Atmosphäre dieses Ortes. Uneingeschränkt traurig ist man allerdings, dass es wirklich nur ein paar Stunden waren und nun schon wieder alles vorbei ist. Die Alltagsweisheit lehrt jedoch, dass es genau dieser Effekt ist, der den schönen Dingen des Lebens nun mal anhaftet, ja diese geradezu über die Vergänglichkeit definiert sind. Persönlich traurig bin ich angesichts der Tatsache, dass mir die Sichtwechsel-Figuren Louis Luba, Pauline und Franzi, Memento Moritz und besonders Lisa/Michi nicht mehr als Begleitung zum Beispiel beim Schreiben mitternächtlicher Blogtexte zur Verfügung stehen. Was mich tröstet: Es werden andere Paulinen, Franzis, Michis usw. kommen. Vielleicht auch wieder, um in Eisenhüttenstadt inszeniert zu werden.

(bk / 16.06.2012)

Der Forget Fear Freitag: Das Programm zum 15.06.

by Ben

Auch wenn es in der Biennale-Dependance in der Eisenhüttenstädter Straße der Republik im letzten Monat etwas stiller zuging, als mancher erwartete, bedeutet das nicht, dass es zu keiner Perspektiven filternden Auseinandersetzung mit der Stadt kam. Vielmehr wurde Eisenhüttenstadt beispielsweise in dieser Tagen so umfänglich durchfotografiert, wie schon lange nicht mehr. Die lichtbildnerische Gesamtauseinandersetzung der sich wandelnden Stadt ist freilich ein Dauerprojekt. Und irgendwie, so fühlt es sich jedenfalls an, ein expandierendes.

Es ist dabei nicht unwahrscheinlich, dass sich in dem wahrnehmbar wachsenden Interesse an der Stadt genau das spiegelt, was auch die Berlin Biennale veranlasste, sich selbst auf diesen Ort zu projizieren. Am kommenden Freitag wird man auch darüber diskutieren können. Denn dann werden die entsprechenden Akteure vor Ort sein und das reziproke Filtern zu einem vorläufigen Klimax bringen. Und wie man die Welt und ihren Lauf so kennt, ist auch dies nur einer von zahllosen Markern auf dem Zeitstrahl der Eisenhüttenstadt-Geschichte, die sich bereits ankündigen. Und überhaupt: Irgendeine Zukunft kommt ja immer. Und: Wie auch immer die Gegenwart ausfällt (oder stattfindet), eines sollte man aus der Präsenz auch dieses Filter-Projektes als dauergültige Maxime behalten: Vergiss die Furcht. Und – dies zuerst – komm vorbei.

Nachfolgend der Ablaufplan zum Freitagnachmittag.

Filter 15.06.

Die Autos sind weiß in Eisenhüttenstadt, die Bäume sind grün, der Himmel ist (im Bild leider nicht erkennbar) blau. Und so ähnlich wird es auch am Freitag sein. Woran es noch fehlt im Revier, sind die Menschen. Aber da wir in jedem Fall die beiden äußerst agilen Schulklassen des Sichtwechsel-Projektes und mindestens ein halbes Dutzend weltgewandte KünstlerInnen aufeinandertreffen lassen, dürfte eine grundlegende Eigendynamik garantiert sein. Alles Weitere wird sich zeigen. In jedem Fall sind wir vollkommen furchtlos und bester Dinge.

15.06.2012, ab 16 Uhr
GEFILTERT DURCH EISENHÜTTENSTADT
Straße der Republik 37, 15890 Eisenhüttenstadt

Die 7. Berlin Biennale präsentiert Gefiltert durch Eisenhüttenstadt in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm/DAAD und me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht. In den vergangenen Wochen hat das Berliner Künstlerprogramm/DAAD eine Satelliten-Residency in Eisenhüttenstadt eingerichtet während der me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht das Projekt Sichtwechsel initiiert hat.

Beide Projekte werden am Freitag, 15.06.2012 ab 16 Uhr in Eisenhüttenstadt vorgestellt:

16 Uhr

me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht: Sichtwechsel Buchpräsentation des Schüleraustauschprojekts Sichtwechsel der Gustav-Falke-Grundschule, Berlin und der Schönfließer Grundschule, Eisenhüttenstadt.

Die SchülerInnen der Eisenhüttenstädter Schönfließer Grundschule und der Berliner Gustav-Falke-Grundschule haben sich über besondere Orte und wundersame Kunstobjekte in ihrer Stadt ausgetauscht. Die SchülerInnen, die sich bisher nur über Steckbriefe und Postkarten kennengelernt haben begegnen sich bei der Veranstaltung zum ersten Mal persönlich.

17 Uhr

Berliner Künstlerprogramm/DAAD: Satelliten-Residency in Eisenhüttenstadt Präsentation von Werken und Konzepten im Zusammenhang mit der Satelliten-Residency des Berliner Künstlerprogramms in Eisenhüttenstadt. Mit Beiträgen von: Bani Abidi, Jennifer Bornstein, Theo Eshetu, Erik Lindner, Yutaka Makino und Mona Vătămanu / Florin Tudor.

In Zusammenarbeit mit der 7. Berlin Biennale hat das Berliner Künstlerprogramm seit Mai 2012 eine Satelliten-Künstlerresidenz in Eisenhüttenstadt eingerichtet – bestehend aus einer Wohnung und einem Arbeitsraum, der auch als
Veranstaltungsort genutzt werden kann. Die aktuellen internationalen Gäste des Berliner Künstlerprogramms sowie mehrere ehemalige Gäste sind eingeladen, einige Zeit in Eisenhüttenstadt zu leben und zu arbeiten. Den Künstlern steht es frei, die Stadt als Rückzugsort zu nutzen, sich mit der Architektur der sozialistischen Planstadt um das Stahlwerk zu beschäftigen oder das Oderland zu erkunden.

Weitere Informationen zu Gefiltert durch Eisenhüttenstadt finden Sie hier.
http://www.berlinbiennale.de/blog/projekte/gefiltert-durch-eisenhuttenstadt-22947

Das Projekt wird unterstützt von der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt und der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH.

15.06.2012, from 4 pm
FILTERED BY EISENHÜTTENSTADT
Straße der Republik 37, 15890 Eisenhüttenstadt

The 7th Berlin Biennale presents Filtered by Eisenhüttenstadt in cooperation with Artists-In-Berlin-Program/DAAD and me Collectors Room Berlin/Olbricht Foundation. During the last weeks the Artists-In-Berlin-Program/DAAD set up a
Satellite Residency in Eisenhüttenstadt while me Collectors Room Berlin/Olbricht Foundation initiated the project Change of Perspective. Both projects will be introduced in Eisenhüttenstadt on Friday, June 15, 2012 from 4 pm on.

4 pm
me Collectors Room Berlin/Olbricht Foundation: Change of Perspective Book presentation of the student exchange project Change of Perspective of the primary schools Gustav-Falke-Grundschule, Berlin and Schönfließer Grundschule,
Eisenhüttenstadt.

The students from Gustav Falke School in Berlin exchange views with students from Schönfliesser School in Eisenhüttenstadt on remarkable places and noteworthy pieces of art in their respective cities. On the occasion of this
event the students who so far only had contact through letters meet in person for the very first time.

5 pm

Artists-In-Berlin-Program/DAAD: Satellite Residency in Eisenhüttenstadt Presentation of works and concepts on the occasion of the Satellite Residency by the Artists-In-Berlin-Program in Eisenhüttenstadt. With contributions by: Bani
Abidi, Jennifer Bornstein, Theo Eshetu, Erik Lindner, Yutaka Makino, and Mona Vătămanu/Florin Tudor.

Together with the 7th Berlin Biennale the Artists-in-Berlin-Program established a Satellite Residency in Eisenhüttenstadt since May 2012—consisting of an apartment and a studio, which can also be used as an event space. Current international guests as well as past guests of the program are invited to live and work in Eisenhüttenstadt for some time. The artists are free to use the city as place of retreat, deal with the architecture of the socialist model city
around the steelwork or to explore the landscape of Oderland.

Please find further information on Filtered by Eisenhüttenstadt here.
http://www.berlinbiennale.de/blog/en/projects/filtered-by-eisenhuttenstadt-22968

Supported by Stahlstiftung Eisenhüttenstadt and Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft GmbH.

Fast wie eine Postkarte aus Berlin: Eine Notiz zu Nada Prljas Peace Wall in der Friedrichstraße

by Ben

Heute war es dann endlich soweit und dieses Weblog erhielt seinen ersten Zugriff vom afrikanischen Kontinent. Damit sind wir kontinental-global vollerschlossen. Blicken wir auf die Ländertabelle, hat unsere Karte freilich noch genug weiße Flecken. (Wo sind die Zugriffe aus Uruguay? Wer ruft die Seite aus dem Jemen auf?) Vielleicht bringen wir zum Abschluss des Blogs einmal eine ausführlichere Auswertung. Lieber würden wir allerdings die Aufmerksamkeit anhand von Postkarten visualisieren, die uns für das Projekt der Playlist der Erinnerung an Eisenhüttenstadt erreichten. Wenn nur jeder zweite Aufruf der Projektbeschreibung eine Karte nach sich zöge, hätten wir schon einen komplettes Samstagnacht-Diskotheker-Set zusammen. Bislang jedoch reicht es höchstens für das Vorglühen. Obschon die Zustellung der Sendungen offensichtlich postalisch funktioniert, traf jedenfalls diese Woche noch kein neues Listenmaterial ein. Geduld bleibt zwangsläufig das Gebot der Stunde.

In der Zwischenzeit richten wir den Blick eben auf etwas anderes. Beispielsweise auf die Peace Wall, die die Künstlerin Nada Prlja in die Friedrichstraße stellte und zwar dort, wo man schon ein halbes Dutzend Kreuzungen von der Lagerfeld-Couture entfernt ganz nah an der Arbeitsagentur Mitte zu KiK gehen kann. Und wo die Männer statt einer Polopferdchen-Applikation unverblümte Botschaften à la “Blowjob is better than no Job” auf ihren Trikots zur Schau stellen. Und zwar in Neongrün auf Schwarz. (Leider wirklich so gesehen.) Direkt am Besselpark, in dem die soziale Durchmischung in der Mittelzone der Gesellschaft eigentlich gut funktioniert, da sich dort die hemdsärmelige Journalisten aus den naheliegenden Zeitungsredaktionen genauso zur Mittagspause treffen, wo auch T-Shirtliche Pfandsammler, gut gelaunte Anwohner gern auch mal ohne Oberbekleidung und Sommerkleid umhüllte Mitarbeiterinnen der Arbeitsagentur im Schatten halbhoher Bäume mit dem wenigstens beim heutigen Wetter selben Bedürfnis zusammenfinden: ins Freie ja, aber bitte mit Schatten. Die mittlerweile fast auch ein bisschen Unfriedenswand zu nennende Installation eignet sich dagegen kaum als Sonnenschutz. Da wir aber ein Foto haben, sehen wir immerhin die Eignung zur Dokumentation:

Peace Wall

Stop in the Name of Art. Zweifellos ist das Versperren einer Straße unweit des Checkpoint Charlie mit einer nicht allzu aufwendigen Mauer neben aller Gentrifizierungskritik auch etwas Vorschlaghammerartiges. Und selbstverständlich ist es Unsinn, zu behaupten, dass es sich beim sozialen Gefälle diesen Teil der Friedrichstraße hinunter um eine „unsichtbare Teilung” handelt. Der Cut ist vielmehr höchst augenfällig, sofern man offenen Auges die Strecke abschreitet. Bereits die Architektur manifestiert, dass hier eine Art stadträumliche Grenze überquert werden kann. Nun hat man mit Stoppschild und ironischerweise zur schicken Seite hin stilsicherer Schwarzwand (von der Südseite glänzt die Wand in grauem Favelawellblech) noch einmal einen Balken in die Wahrnehmung gesetzt, der die Situation in eine Unignorierbarkeit auch für die blindesten Passanten überhöht. Das Ergebnis ist naturgemäß weder ästhetisch subtil noch in der Idee sonderlich raffiniert und auch nicht an sich subversiv. Als Störung allerdings ist es hochwirksam, wie nicht zuletzt die Debatte in der Presse zeigt. Und die Kuratorin Joanna Warsza brachte es ja im Vorabinterview mit der Zeitschrift Monopol auf die einfache Formel des Erwartbaren: “Unsere Biennale wird sicher viel Ärger und auch Wut auslösen.” Hier ist die Mission erfüllt. (Foto: bk / 22.05.2012)

Das Schaufenster

by Ben

Das Schaufenster

Das Schaufenster (Straße der Republik 37, Foto: bk, 13.05.2012)

Das Poster

by Ben

Forget Fear - Poster in der Straße der Republik / Eisenhüttenstadt

Forget Fear – Poster in der Straße der Republik / Eisenhüttenstadt (Foto: bk, Mai 2012)

Die 7. Berlin Biennale, gefiltert durch Eisenhüttenstadt

by forgetfear

Die 7. Berlin Biennale findet nicht nur in Berlin statt. Einer Idee des Kurators Artur Żmijewski folgend nimmt sie sich Eisenhüttenstadt als Filterfolie und wird dort mindestens zwei Projekte initiieren, die eine temporäre Brücke zwischen der ostbrandenburgischen Planstadt mit all ihren Ambivalenzen und der Metropole Berlin – ebenfalls mit allen Ambivalenzen – schlagen sollen.

Im Projekt Satellite-Residency werden sich KünstlerInnen mit unterschiedlichen Wirkungshintergründen mit Eisenhüttenstadt konfrontieren und vor Ort arbeiten.

Im Projekt Sichtwechsel des me Collectors Room bzw. der Stiftung Olbricht werden zwei Grundschulen – die Schönfließer Grundschule in Eisenhüttenstadt und die Gustav-Falke-Schule im Berliner Bezirk Wedding – über Kunstobjekte in einen Dialog treten.

Während letzteres Projekt bereits angelaufen ist, beginnt die satellitäre Durchdringung von Stadt und Kunst am 09.05.2012. Was dabei geschieht, wird sich programmgemäß erst nach und nach zeigen. Die Rolle dieses Weblogs ist in diesem kleinen Informationstext beschrieben. Über die mögliche Rolle der Menschen in Eisenhüttenstadt wird in diesem Blogposting im Eisenhüttenstadt-Blog nachgedacht. Aktionen wie diese setzen auf Reflexion, Rückkopplung und also Dialog. Dies soll im realen Stadtraum in der Satelliten-Dependance in der Straße der Republik, in diesem Weblog oder auch auf der Facebook-Seite des Eisenhüttenstadt-Blogs geschehen. Weiteres folgt.

Forget Fear - gefiltert durch Eisenhüttenstadt

Forget Fear – gefiltert durch Eisenhüttenstadt (Figur des Projektes “Sichtwechsel” vor dem Biennale Flyer)

Eisenhüttenstadt, 08.05.2012 (bk)