Neues für die Playlist der Erinnerung. Heute: Depeche Mode aus Brisbane

by Ben

So richtig schien man nach diesem trockenen Mai in Eisenhüttenstadt gar nicht mehr zu wissen, was Regen ist. Nun schwimmen die Straßen pünktlich zum Beginn des Monats Juni ein wenig durch die Nacht und das einzige Automobil, was einem über den Weg kreuzt und tatsächlich einigen plötzlich ins Licht kegelnde Unken gefährlich nah kommt, aber doch hoffentlich erfolgreich nicht über- sondern per Schlenker umfährt, kennt nur ein Ziel: die Playlist-Mailbox, welche es nach einigen Tagen wieder einmal zu leeren gilt. Dieser späte Weg lohnt sich, findet sich doch heute darin eine für das Projekte perfekte Sendung, die es binnen einer guten Woche von Brisbane zum Brunnenring schaffte. Das ist ein durchaus respektabler Wert für Beförderungsleistungen von traditionellen Poststücken quer über den Planeten. Und ein heller Streif am Klanghorizont des Playlist-Projektes, an den sich die Hoffnung festgeklammert findet, dass doch noch Einiges an Material für die Playlist zusammenkommt.

Die popmusikalische Verbindung der Stadt wird übrigens durch einen Titel einer Band hergestellt, deren Name in der Kurzform De-Mo auch für eines der frühesten Graffitis der Stadt herhalten musste und die so populär war, dass man sich mit Bravo-Postern der Gruppe auf den Schulhöfen ein kleines Vermögen (in Mark der DDR) zusammen verschwarzmarkten konnte. Allerdings ist Walking in my Shoes chronologisch ein Nachwendeprodukt zu dem niemand Geringeres als Anton Corbijn das Musikvideo beisteuerte. Und wer das aus welchen Gründen auch immer nicht mögen sollte, bekommt bei YouTube eine späte Performance des Songs in einer britischen Fernsehsendung zur Ansicht.

Post aus Australien

Card Only – Wem auch immer diese Botschaft gilt, als Relativierung des Wertes dieser Einsendung wäre sie gänzlich unangebracht. Denn genau dieses “Nur eine Karte” charakterisiert ja das Projekt. Wenn alle, die Eisenhüttenstadt verließen, “nur” eine solche beisteuerten, könnten die Playlist nahezu ewig laufen. Im Universum des 01.06.2012 langt es immerhin für eine halbe Stunde durchweg hörenswerter Stücke. Wobei uns die Tatsache, dass jemand aus Australien gern an Eisenhüttenstadt zurückdenkt, nur fröhlich stimmen kann. Und uns ein Album aus dem Regal nehmen lässt, dass bestimmt fünfzehn Jahre nicht mehr durch den CD-Spieler rotierte. Aber nur weil jemand immer viel zu sehr auf “Some Great Reward” bestand. Da gibt es keinen Anlass zur Empörung. Wissen wir doch: People are nur people

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