Die Raupen im Programm

by Ben

Mitunter fügt sich die Welt gar zu eigenartig. So schrieb ich jüngst davon, die Blütenkammer im Eisenhüttenstädter Biennale-Lokal in der Straße der Republik mit Schmetterlingen nicht bewusst anzureichern, da dies erstens schwierig, zweitens nicht sehr tierfreundlich und drittens zu aufgesetzt im Bezug auf Damien Hirst und diese Arbeit erschiene. Freiwillig zufliegende Schmetterlinge würden allerdings selbstredend geduldet, auch wenn bei den Pflanzen im Raum derzeit eher wenige Blütenstäubchen zu holen wären.

Nicht überlegt hatte ich mir den Umgang mit Raupen und daher war ich leicht gefordert, als sich am Samstag und am Sonntag jeweils eine solche in dem einen Fall un- und in dem anderen doch sehr auffällig in meinen Blick raupte.

Auf den Diehloer Bergen (hier eine Perspektive von der Höhe) nahe der Sprungschanze schlich sich ein Exemplar erst auf die Kameratasche und dann während eines Telefonats sogar in selbige, so dass es mehr oder minder gezwungenermaßen in fotooptischer Umgebung übernachtete.

Und kaum war es zurück in die Natur gesetzt, fand sich nach einer Schussfahrt durch die Straße der Republik ein noch beeindruckenderes Exemplar zunächst auf der Frontscheibe, später kurz auf meinem lokalen Arbeitstisch und schließlich, wie leicht an plötzlich überbordender Agilität ersichtlich wurde, begeistert auf einer lokalen Brennnesselpflanze.

Trotz also aller Bemühungen der Tierchen, sich in die Biennale einzuschleichen, schied die Option, mit ihnen in The Bloom in the System doch noch eine Art In and Out of Love anzuhirsten, vor allem aus futterpflanzlichen Gründen aus. Was mich aber durchaus nicht kalt lässt, ist die Tatsache, dass das Lepidopteroversum anscheinend dieses Weblog liest und somit mich in der Weise unterstützt, wie es ihm halt möglich ist.

Selbstverständlich muss man darauf achten, dass man bei der Interpretation der Zeichen und Symbole auf den Wege in dieser Stadt nicht zu weit geht. Wenn der Anspruch aber lautet, mit dem zu arbeiten, was einem der Aufenthalt in Eisenhüttenstadt Tag für Tag zuspielt, dann komme ich um diese Begegnungen schlicht nicht herum.

Die Raupe am Samstag

Die Raupe am Samstag: Klein und auf einem Gartenbild vom Nachmittag abgelegt suchte das winzige Wesen nicht den Salat sondern eine Orientierung. Die gab es aber erst am nächsten Tag getreu dem klassischen Motto des Zurück zur Natur.

Die Raupe am Sonntag

Die Raupe am Sonntag und das auch noch furchtlos an der Kante. Die Haarigkeit (hier auf einem Gartenbild vom Sonntag) in Kombination mit der raupentypischen Bewegung lässt dem Betrachter durchaus etwas Frühsommerliches ins Herz wehen. Und erkennen, wie eine andere Welt jenseits seiner Welt unglaublich differenziert und austariert ist.

(bk, 20.05.2012 / Fotos: bk)

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